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Auswirkungen der digitalen Transformation auf den M&A-Prozess (WPG, 2019, 1343)

Der Beitrag von Ihlau/Duscha untersucht den Einfluss der Digitalisierung und disruptiver Geschäftsmodelle auf die Financial Due Diligence und den Bewertungsprozess bei der Akquisition von Start-ups, die von etablierten Unternehmen mit dem Ziel der Beschleunigung des eigenen Digitalisierungsprozesses erworben werden. Etablierte Geschäftsmodelle stehen durch die Digitalisierung insgesamt zur Disposition. Der Onlinehandel verdrängt den stationären Handel. Technische Produkte erhalten eine Softwarekomponente und ermöglichen das Internet der Dinge. Beratungsleistungen übernimmt oder unterstützt der Robo-Advisor. Maschinenvernetzung und die Optimierung der Warenlogistik im Rahmen der Industrie 4.0 erfordern den Ausbau schneller Datenübertragung, insbesondere der 5G-Mobilfunknetze. Geschäftsmodelle verändern sich durch die Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen, in Kurzform wird aus B2B nun B2C. 3D-Drucker machen Kleinstserien auch wirtschaftlich möglich. Diese Veränderungen gehen mit einer erhöhten Marktdynamik und entsprechend geringerer Prognosesicherheit einher, mit Auswirkungen auf den Due Diligence Prozess und die Bewertung von Start-ups. Die Vergangenheitsanalyse rückt in den Hintergrund. Analysen konzentrieren sich auf die Geschäftsidee, Technologien, Marktverhältnisse, Wettbewerber, die relevanten Personen im Zielunternehmen und dessen Innovationspotenzial. Besonderes Augenmerk gilt der Skalierbarkeit einer neuen Geschäftsidee. Wachstumspotenzial geht einher mit Veränderungen in den Bereichen Organisation, IT-Umgebung, Personal- und Kostenstruktur und erfordert damit Investitionen. Die Entwicklung mehrwertiger Unternehmensplanungen zur Abbildung dieser Einflussgrößen kann anhand der Monte-Carlo-Simulation erfolgen. Die Bewertung der Ergebnispotenziale richten sich bei der bei der Wahl der Bewertungsverfahren nach der Reifephase des Zielunternehmens. In der Gründungsphase findet die Venture-Capital-Methode Anwendung, bei der der Schwerpunkt in der Prognose und Barwertbetrachtung eines Exitgewinns liegt. Das Exitpotenzial wird anhand von Multiplikatorbewertungen berechnet. Mit zunehmender Reife des Start-ups kommen kapitalwertorientierte Verfahren zur Anwendung. Die hierfür zu entwickelnden Unternehmensplanungen zeichnen sich durch eine Ausweitung der Detail- bzw. Konvergenzplanungsphase aus, um einen Gleichgewichtszustand als Voraussetzung zur Planung einer ewigen Rente darstellen zu können. Bei fraglicher Robustheit des Geschäftsmodells kann auch ein endlicher Planungszeitraum zur Anwendung kommen.